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28. November 2008 – 1. Februar 2009

Zurich Art Prize 2008 - Tino Sehgal

Tino Sehgals Kunst existiert nicht in Objekten. Seine Werke sind immateriell, weil sie das Kunstpublikum nicht mit einem greifbaren Gegenstand, sondern mit Begegnungen konfrontieren – Sehgal inszeniert Begegnungen zwischen den Ausstellungsbesuchern und eigens eingesetzten Akteuren. So zum Beispiel können die Museumsaufsichten als Interpreten einer vom Künstler vorgegebenen Handlung auftreten. Sie sind es dann, die die Besucher durch bestimmte Sprach- und Bewegungsaktionen überraschen, verstören, zum Lachen bringen oder in ein Gespräch involvieren. Nach klaren Anweisungen, die der Künstler mit den Akteuren intensiv einstudiert und probt, werden die BesucherInnen direkt angesprochen oder sind Zeuge eines unerwarteten Aktes wie z.B. bei der Biennale in Berlin 2006: Auf dem Boden des legendären Spiegelsaals in „Clärchens Ballhaus“ wälzte sich immerzu ein sich küssendes Liebespaar. Oder für seinen Beitrag im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig 2005 wählte Tino Sehgal 30 Laiendarsteller für zwei Situationen aus. Zum einen sagten die Darsteller immer wieder unvermittelt This is so contemporary, was als Reflexion über die Position der Kunst in der heutigen Welt gedacht war. Und im zweiten Werk, This is exchange, verwickelten die Akteure die Besucher in Diskussionen über das Thema Marktwirtschaft und wurden dafür auch bezahlt. Sehgals Kunst nimmt erst und nur in dem Moment Gestalt an, in dem eine solche Interaktion stattfindet. Danach existiert das Werk ausschliesslich in der Erfahrungs- und Erinnerungswelt derer, die es unmittelbar erlebt haben. In diesem Sinne ist es nur konsequent, dass der Künstler jede fotografische und filmische Dokumentation seiner Arbeiten ablehnt. Über seine Projekte gibt es keine Kataloge, keine Booklets oder Broschüren. Ihre Kraft entfalten sie rein über die direkte und wirkliche Begegnung im Moment des Geschehens. Sehgals Kunst versteht sich daher auch entschieden als Gegenkonzept zu einer stark auf die materielle Produktion bezogenen Welt. Dass es auch ausserhalb dieser Produktionswelt mit all ihren Gegenständen sinnliche Erfahrung geben kann, beweisen Sehgals Werke deutlich. Darin, in der Sinnlichkeit und Flüchtigkeit, gleichen sie einem musikalischen Werk oder dem Tanz.



Adresse

Haus Konstruktiv
Selnaustrasse 25
8001 Zürich
Fon +41 44 217 70 80
http://www.hauskonstruktiv.ch/


Öffnungszeiten

Dienstag-Freitag 12-18 Uhr; Mittwoch bis 20 Uhr; Samstag-Sonntag 11-18 Uhr; Montag geschlossen.

Museumsbeschreibung

Als einzige Institution in der Schweiz fördert die Stiftung die "konstruktive, konkrete und konzeptionelle Kunst und Gestaltung".





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